Wissenschaftliches Netzwerk

Konstruktivistische Emotionsforschung

Emotionen, Diskurs und Macht in der Weltpolitik

Konstruktivistische Ansätze in den Internationalen Beziehungen (IB) betonen häufig die Bedeutung von Sprache für die Konstruktion von Wirklichkeit, Identität und Machtverhältnissen. Dabei wird mitunter übersehen, dass diskursive Machtausübung, etwa über Statusdifferenzierung in kollektiven Emotionen begründet liegt, die soziale Diskurse und Identitäten auf internationaler Ebene untermauern und reproduzieren. Es wird hier argumentiert, dass die Einbeziehung von Emotionen als zusätzliche Analysekategorie für Intersubjektivität weitergehende Fragen ermöglicht und dass die Tragweite der Bedeutungen, die sich aus der Auseinandersetzung mit Emotionen ergeben, in der konstruktivistischen Diskursforschung meist übersehen wird.

 

 

Das interdisziplinäre Netzwerk stellt dazu theoretisch-konzeptionelle Bausteine für eine emotionsbasierte Diskursforschung innerhalb des konstruktivistischen Paradigmas in den IB vor. Es wird angenommen, dass bestimmte Emotionskategorien internationale Herrschaftsverhältnisse stärken aber auch Widerstand gegen soziale Hierarchien in den internationalen Beziehungen hervorrufen können. Diese Annahmen werden mithilfe von emotionsbasierten Machtdiskursen empirisch veranschaulicht.

 

 

Ziel des Netzwerkes ist es aufzeigen, wie die Integration von Emotionen als Analysekategorie innerhalb des sozialkonstruktivistischen Forschungsprogramms in den IB weitergehende Fragestellungen und Erkenntnisse bei der Untersuchung von Machtdiskursen generieren kann. Der Konstruktivismus in den IB bietet bereits ein reichhaltiges Forschungsprogramm, das eine Vielzahl von Konzepten wie Normen, Sprache und Kultur integriert. Das vorliegende Netzwerk fügt diesem Forschungsprogramm eine weitere, bislang noch unterbelichtete, konzeptionelle Facette hinzu und zeichnet erste Konturen für eine emotionsbasierte Forschungsagenda innerhalb des sozialkonstruktivistischen Forschungsprogramms in den IB.

 

Das Netzwerk wird seit September 2015 für einen Zeitraum von zwei Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Koordinator des Netzwerks ist Simon Koschut.